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Marketing Management Kongress 2016

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Ein wilder Ritt von Retro-Science-Fiction zur Zukunft des Marketings

Am ersten und zweiten Dezember fand in Berlin der Marketing Management Kongress (MMK 2016) statt. Im Geiste des Mottos „Amazing Times“ waren erstaunliche 70 Sprecher und ca. 800 Top Teilnehmer aus den Marketingabteilungen der Nation angetreten. (zugegeben: subtiles Selbstlob, schließlich waren wir auch dabei). Dabei sollten Grenzen gesprengt und neue Galaxien erforscht werden.

Mittwoch: das Partyhaus vom Nikolaus

Pixel Cubes auf dem Christkindelsmarkt am Alexanderplatz
Prost auf Lion, der uns auf die Startseite von Spiegel Online gebracht hat!

Das geht ja gut los: wir haben was vergessen. Der Sonnenschein ist in München geblieben. Entsprechend geben wir den Plan eines kurzen Sightseeings in Berlin auf, und ziehen uns stattdessen bei eisigem Regen ins „Partyhaus vom Nikolaus“ zurück. Immerhin die erste Innovation: Ich habe eine neue Sorte Glühwein entdeckt. Mit Ingwer drin. Schuhbeck ist schuld.

Gleichzeitig stellt Kollege Lion Nagenrauft mit seiner Story über die massenweise ausgefallenen Telekom-Router die Server unseres Hosters auf die Probe. Die Klickzahlen gehen drastisch nach oben, und wir landen auf Spiegel Online. News Highjacking funktioniert also auch im Jahr 2016 noch.

Donnerstag: Alles bleibt irgendwie anders aber eben doch nicht…

Ben Hammersley erklärt uns, dass wir effektiv unsere Kollegen hassen: Immerhin haben wir fast alle Werbeblocker installiert. Punkt für ihn. Es ist interessant, wie man als Futurologe Geld verdient: Man macht sich Gedanken über Lösungen von Problemen, die man möglicherweise morgen nicht hat. Kein Wunder, dass man dafür jemanden bezahlt. Die Meisten haben mit den aktuellen Problemen schon ihre Kapazität ausgeschöpft.

Der König ist tot, es lebe der König

Networking beim MMK 2016
Ich hatte nicht den längsten Bart auf der Veranstaltung.

Unter dem Titel „Relevance is King“ erklärt uns Michael Rösner von Kasperski, dass Antivirussoftware kein Sexy Produkt ist, und was man im Bereich Social Media trotzdem machen kann. Content Marketing ist immer noch der Weg.

Übrigens: Ein Weg verdammt viel Geld auszugeben sind Facebook-Ads. Ui. Sowas. Damit das Sinn macht, muss man sich generalstabsmäßig organisieren. Und der General ist der CEO, der neben dem Job als strategischer Firmenlenker jetzt auch noch ein „Influencer“ sein soll.

Ich werde Andreas darauf ansprechen; er ist immer froh, wenn er noch ein bisschen mehr zu tun hat.

À propos: Zeit für ein Päuschen. Ich finde das Essen ist hervorragend. Nur die rechteckigen Tellerchen sind etwas klein. Endlich habe ich auch Gelegenheit, mich mit einigen Kollegen auszutauschen.

Vertikale Videos, Kraftpunkt & dieses Internet

Nach der Mittagspause erklärt mir endlich ein Facebookianer, was ich bei meinen Videos immer falsch mache: Sie sind zu horizontal. Horizontale Videos sind sooo 90er. Und zu lang sind sie auch. Drei bis vier Sekunden, dann muss das Produkt drin sein. Das stellt uns vor ein gewisses Problem: ich brauche bei guter Betonung schon allein drei Sekunden, um das Wort „Managed Security Services“ auszusprechen. Vielleicht ist Zeitraffer eine Option.

Im Vortrag „Wie Powerpoint Ihrer Marke schadet“ stelle ich fest: Unsere Präsentationen sind eigentlich garnicht so schlecht.

Ebenfalls beruhigend: es ist nach wie vor sinnvoll, eine Firmenwebseite zu haben. Ich hatte schon halb damit gerechnet, dass das im Zeitalter von Instagram und WhatsApp auch in den Bereich der oh-soooo-90er fällt. Instant-Messenger und Social Media sind offenbar doch nicht das einzige, was zählt.

Abschließend überzeugt mich der CIO von Estland davon, dass ich ein e-Estländer werden will: Behörden müssen sich dort Informationen, die ein Bürger schonmal irgendwo abgegeben hat, von den anderen Behörden holen. Klingt traumhaft, finde ich. Steuererklärung per SMS? Wählen, ohne sich in der örtlichen Sporthalle anstellen zu müssen? Perfekt. Wenn das Wetter in Estland nicht so mies wäre, würde ich hinziehen. Aber mal sehen, was der Klimawandel so macht.

Party vom anderen Stern: Hart feiern

Abgespacet: die MMK 2016 PartyAbends gibt’s noch eine Party im Umspannwerk. Keine Ahnung, warum man Parties jetzt in Umspannwerken abhält, aber die Stimmung ist super. Essen und Drinks auch. Ich habe eine neue Sorte Longdrink entdeckt. Mit Ingwer drin. Schuhbeck ist schuld.

Abgespacet: die MMK 2016 Party
Dieses Bild wurde noch nicht oft genug geposted.

Zwischen den Tanzenden treiben sich absonderliche Gestalten herum. Manche davon arbeiten aber nicht im Marketing, sondern sind Teil einer Performance Art. Man kann sie dadurch unterscheiden, dass sie nichts trinken. Ich versuche zusammen mit einer netten Webseitenoptimiererin den grauenhaften Remix von David Bowies „Space Oddity“ zu übertönen, leider erfolglos. Aber zumindest mal nicht allein gesungen. Singen macht übrigens durstig.

Das Durchhaltevermögen unserer Kollegen lässt indess zu wünschen übrig. Wir werden erst hinauskomplimentiert, als praktisch niemand sonst mehr da ist, und ich versuche auf einem Skateboard zu fahren, das irgendwer vom Abbauteam hat stehenlassen.

Freitag: Hart aufstehen

Hajo Schumacher, eine der Lichtgestalten des MMK 2016
Mr. MMK Hajo Schumacher: der Mann hat einen gewissen trockenen Humor. Sein Schneider auch.

Zu meiner Freude gibt es zum „Full Metal Breakfast“ tatsächlich die angekündigten Mettbrötchen. Was Wacken-Gründer Holger Hübner zu sagen hat ist allerdings wenig aufschlussreich. Dass Wacken eine riesen Veranstaltung ist sollte einigermaßen bekannt sein. Dass der Veranstalter jetzt auch Kreuzfahrten anbietet zwar nicht, aber was solls?

Viel interessanter ist, was Bastian Bergmann und Gisbert Rühl zu berichten haben aus der Praxis des Mittelstandes, der teils verzweifelt versucht, die Digitalisierung nicht zu verschlafen. Startups sind natürlich gut dabei, aber alteingesessene Heizungsbauer wie Viessmann tun sich teils schwer. Immerhin wird das Thema überhaupt angepackt.

Anschließend informiert uns Mathias Richel über einen schockierenden Trauerfall: Content Marketing ist tot. Offenbar ist es irgendwann gestern nachmittag verstorben. Die genauen Todesumstände sind noch unbekannt, aber Werbeblocker und ein Publikum, das den Content nicht mehr mit dem Spaten reingedrückt bekommen will, könnten zum Ableben beigetragen haben.

Zum Davonlaufen

Ein echtes Highlight war für mich der Vortrag von Adrian Hon. Passend zum vorigen Vortrag erklärte einer der Köpfe hinter der ausgesprochen erfolgreichen Zombie-Jogging App „Zombies Run!“, dass Content eben doch nicht tot ist, sondern essenziell, besonders wenn man ein Spiel macht. Das soeben begrabene Content-Marketing kommt damit quasi, wie die Antagonisten aus der App, wieder zurück.

Ist aber auch irgendwie tröstlich, andererseits.

So fahren wir durchaus mit einigen frischen Ideen und Anregungen vom MMK 2016 nach Hause.

 


Links:
http://www.mmk-berlin.de/
https://www.facebook.com/marketingmanagementkongress/
Vertical Video Syndrome

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