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IT-Nightmare before Halloween

1. Akt: Der letzte Mitarbeiter

Es ist der 31. Oktober.

Die Dunkelheit bricht herein. Unter einem bleichen, wolkenverhangenen Halbmond liegt einsam der Firmensitz der Control Systems Reutlingen (CSR). Nur aus dem dritten Stock fällt noch Licht auf den verlassenen Firmenparkplatz.

Ein einsamer Buchhalter sitzt am Monatsabschlussbericht, vor sich ein Stapel Reisekostenabrechungen. In dem ansonsten leeren Großraumbüro brennt über seinem Arbeitsplatz das Licht, während sich um ihn herum die Dunkelheit in den Raum stiehlt.

Die einzigen anderen Lichter stammen von einer Überwachungskamera am Aufzug und dem dreizeiligen Display des Multifunktionsdruckers neben der Tür. Immer wenn eine Abrechnung fertig ist, kreischt der Drucker los und eine weitere Seite schiebt sich quälend langsam in das Ablagefach.

2. Akt: Mail aus dem Reich der Dunkelheit

Plötzlich klingelt Outlook.

Von dem ungewohnten Ton aufgeschreckt, braucht der Buchhalter einen Moment, um den Hinweis zuzuordnen. Dann vergrößert er das Outlook Fenster, im Innersten dankbar für die Ablenkung.

Es ist ein Hinweis der internen IT. Wegen einer Sicherheitslücke ist der Flash-Player umgehend upzudaten. Zumindest ist der Downloadlink gleich dabei. Einen Moment zögert er noch, überprüft die Absenderadresse, aber alles passt. Sein Blick sucht das beruhigende Virenschutz-Icon in der Taskleiste. Dann zuckt er mit den Schultern und installiert den neuen Flashplayer. Danach wendet er sich seufzend wieder den Abrechnungen zu. Draußen verschwindet der Mond hinter einem dichten Wolkenschleier.

3. Akt: Merkwürdige Maschinen

Unbemerkt schwenkt die Kamera am Aufzug herum. Kalt starrt die Linse wie ein böses Auge hinüber zu der kleinen Insel des Lichts. Die rote LED neben dem Objektiv beginnt zu blinken.

Den Buchhalter fröstelt es. Ist es im Büro kälter geworden? Er steht auf und geht hinüber zum Heizkörper. Der Smarte Thermostat zeigt eine Temperatur von 25° an. Er runzelt die Stirn. Der Heizkörper ist allenfalls lauwarm. Irgendetwas stimmt da nicht.

Plötzlich kreischt wieder der Drucker los. Er zuckt zusammen und sieht, wie ein weiteres Blatt sich aus dem Drucker schiebt. Zögernd geht er zu dem Gerät hinüber. Das Blatt sieht leer aus. Irgendwie widerstrebt es ihm, das Blatt zu berühren. Er sieht jetzt, dass das Blatt doch nicht leer ist. In der oberen linken Ecke ist ein kleines Emoji. Ein böser Smiley.

Wer hat das nur gedruckt?

Plötzlich fühlt er sich unwohl in dieser dunklen Ecke des Büros. Er geht zu seinem Schreibtisch zurück. Der Monitor hat sich zum Energiesparen abgeschaltet. Er bewegt die Maus, doch der Monitor bleibt noch einen Moment dunkel. Erst nach dem Drücken der Entertaste tut sich etwas. Er gibt sein Passwort ein.

Aber was ist das? Das Hintergrundbild hat sich geändert. Der ganze Bildschirm ist schwarz. Nur in einer Ecke ist ein kleiner Kürbis abgebildet. Alle Icons sind verschwunden.

4. Akt: Nacht der lebenden toten IT

Über das Startmenü lässt sich das Buchhaltungstool wieder öffnen. Zum Glück ist der letzte Stand gespeichert. Aber dennoch scheint irgendetwas mit den Mitarbeitern nicht mehr zu stimmen. Es scheint plötzlich sehr viel mehr davon zu geben, Kollegen, von denen er nie zuvor gehört hat. Ihre Mitarbeiterbilder sind schwarz-weiß oder sehen aus wie Polaroidaufnahmen aus den Achtzigern. Und es gibt auch eine neue Spalte bei den Mitarbeitereigenschaften. Neben dem Geburtsdatum ist ein Sterbedatum vermerkt.

Von einer dunklen Vorahnung erfüllt, sucht er verzweifelt nach seinem eigenen Datensatz. Als er ihn endlich findet und versucht, zu der merkwürdigen, neuen Spalte zu scrollen, wird der Bildschirm wieder schwarz.

Dann kreischt es erneut aus Richtung Drucker. Kreidebleich springt er auf und sieht, wie eine Seite nach der anderen dicht beschrieben in den Auffangkorb und dann auf den Boden fällt. Mit zitternden Fingern greift er nach einer Seite. Es ist ein einziger Satz, der Zeile für Zeile wiederholt wird.

Er blickt auf, als der Bildschirm flackert und sieht, dass die Kürbisfratze jetzt den ganzen Desktop füllt. Hinter dem Bildschirm bemerkt er, dass sich am Heizkörper vor seinen Augen Eiszapfen bilden. Die Monitore im ganzen Büro flackern plötzlich und aus allen Headsets und Lautsprechern tönt statisches Rauschen. Der Drucker spuckt jetzt mit wahnwitziger Geschwindigkeit die dicht beschriebenen Seiten aus und lässt sie durch den Raum flattern. Dazwischen druckt er jetzt auch Bilder eines weinenden Jungen und eines boshaft grinsenden Hasen.

Dann beginnen gleichzeitig alle Telefone zu klingeln.

5. Akt: The End?

Er zuckt zusammen und blinzelt, als sein Telefon wirklich klingelt. Im Moment der Verwirrung nach dem Erwachen glaubt er, die Blätter noch durch die Luft fliegen zu sehen, aber dann wird ihm klar, dass es nur eine seiner eigenen Abrechnung ist, die vor dem Drucker liegt. Keine fliegenden Blätter mit merkwürdigen Botschaften. Keine Eiszapfen. Kein flackerndes Licht.

Auch der Bildschirm wird nach einer kurzen Bewegung der Maus hell. Alles normal, der Kürbis ist weg.

Das Telefon klingelt wieder. Er nimmt ab.

„Axel Eibser aus dem CDC. Ich rufe nur an, um zu fragen, ob Sie wirklich noch am Platz sind. Sonst hätten wir den Rechner per Remote heruntergefahren. Ist immerhin schon nach 23:00 Uhr.“

„So spät schon?“ Er überlegt. „Gab es heute abend irgendwelche Probleme?“

„Nein, eigentlich nichts Besonderes. Es gab einige halbwegs gut gemachte Phishing-Mails etwas früher, aber wir haben sie rausgefiltert. Und jemand hat von extern versucht, sich erst auf die Sicherheitskamera im dritten Stock und dann auf den Printserver zu verbinden. Wurde aber alles von der Firewall geblockt. Im Netzwerk sieht‘s auch normal aus. Warum? Ist auf Ihrer Seite irgendwas Verdächtiges passiert?“

„Bin wohl über dem Abschlussbericht eingeschlafen. Ich denke, die letzten Abrechnungen werden doch bis morgen warten müssen.“

„Dann noch eine gute Nacht!“

„Danke, Ihnen auch.“ Er zögert einen Moment. „Und fröhliches Halloween.“

Der Mann vom CDC lacht. „Süßes, sonst gibt’s Saures!“

 

Das Cubespotter-Team und ich wünschen Ihnen ein schaurig schönes Halloween!

 

 

 

 

 

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