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IPv6 (langsam) auf dem Vormarsch

canned-phoneDas „neue alte“ Internet Protokoll IPv6 wird langsam aber sicher angenommen.

Nach dem World IPv6 Day 2011 und dem World IPv6 Launch Day 2012 ist das Thema  wieder in den Hintergrund gerückt.

Inzwischen ist das neue Protokoll im Alltag angekommen: Mobiltelefone im LTE-Netz bauen damit Tunnel auf, Heimanwender nutzen zunehmend IPv6, ohne es zu wissen, und Apple zwingt App-Entwickler dazu, ihre Apps kompatibel zu machen.

Rund sieben Prozent des Internet-Verkehrs läuft inzwischen über IPv6. In Deutschland sind es schon über 28 Prozent. Inzwischen gehören wir damit weltweit zu den führenden Staaten, was die Nutzung angeht. Sicher liegt das auch daran, dass große Betreiber wie Google und Facebook inzwischen IPv6-fähig sind und auch die Provider-Seite nachgezogen hat.

Gute Gründe für den Umstieg

Während also im B2C-Markt die Nutzung stetig wächst, haben viele Firmen im B2B-Umfeld das Thema kaum im Blick. Nach wie vor sind IPv4-Adressen zu haben, obwohl die Preise langsam steigen.

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Abb1: Google IPv6 Statistik

Am stärksten spüren diejenigen den Mangel, die große Netzwerke betreiben oder viele (VPN-) Tunnel zu Partnerfirmen eingerichtet haben. Manche haben noch das Glück, ein eigenes Class-A- oder Class-B-Netz aus den Zeiten zu besitzen, als IP-Adressen noch im Überfluss vorhanden waren. Zusammenschlüsse (und auch Verkäufe) von Firmen oder Teilen davon führen jedoch häufig dazu, dass das interne Netzwerk umnummeriert werden muss. Bei manchen ist gar das private Netz 10.0.0.0/8 schon ausgereizt, so dass auf zum Beispiel auf das Netz 44.0.0.0/8 ausgewichen wird, das eigentlich für AMPRNet (AMateur Packet Radio Network) reserviert ist. Bei VPN-Tunneln müssen umständliche NAT-Konstrukte und statische DNS-Einträge eingesetzt werden, die den Betrieb und die Fehlersuche aufwändig machen. Provider müssen auf Carrier-Grade-NAT zurückgreifen, was die Anschaffung teurer Spezial-Hardware erfordert.

Es kommt auch vor, dass Netzwerk-Administratoren gar nicht wissen, dass in ihrem Netz schon das neue Protokoll benutzt wird. Sieht man sich beispielsweise die Header von Mails an, die von einem Exchange-System kommen, sieht man oft Mailbox- und Hub-Transport-Server miteinander über Link-Local-IPv6-Adressen (fe80::) sprechen, weil diese Adressen bevorzugt werden.

Die Enterprise-Firewalls der großen Hersteller sind inzwischen nahezu vollständig mit dem neuen Standard kompatibel. Auch das Problem, dass IPv6 früher sehr viel langsamer verarbeitet wurde, weil die Hardware nur auf IPv4 ausgelegt war, stellt sich inzwischen nicht mehr. Die Netzwerk-Prozessoren haben das mittlerweile eingebaut. Spezialfunktionen wie die VPN-Zugänge für Clients waren früher oft nur IPv4-fähig. Auch diese Lücken sind inzwischen geschlossen. Die Client- und Server-Betriebssysteme können IPv6 sowieso schon seit Jahren.

Gut geplant ist halb gewonnen

So stehen einer schrittweisen Einführung keine technischen Gründe mehr entgegen. Es empfiehlt sich, die Umstellung in kleinen Schritten zu starten. Zum Beispiel in klar abgegrenzten Umgebungen, etwa dem Mail-System oder dem VoIP-Netz. Hier können die Administratoren Erfahrungen beim Betrieb sammeln, bevor größere und kritischere Systeme angegangen werden.  Mögliche Seiteneffekte auf das restliche Netzwerk werden dabei in überschaubarem Rahmen gehalten.

Man sollte nicht den Fehler machen, das Thema immer weiter vor sich her zu schieben. IPv6 bedeutet eine grundlegende Umstellung des Netzes und muss langfristig geplant werden. Die Mitarbeiter müssen sich auf die Änderungen einstellen können. Die Planung sollte jetzt starten, um überstürzte (und damit halbherzige und unsichere) Implementierungen  zu vermeiden.

 


 

Quelle Abb1: Google Statistik

Bild: ©iT-CUBE SYSTEMS AG 2017

1 Kommentar

  • von Thomas_B am 02.02.2017, 11:25 Uhr

    Ich finde es heutzutage wichtig allen technischen Anforderungen und Umstellungen offen zu begegnen. Die Umstellung auf ein neues Internet Protokoll ist hier auch eine Herausforderung, es lohnt sich aber diese anzugehen, einfach um sich für die Zukunft abzusichern. Ein, wie im Artikel beschriebener, schrittweise Übergang, eine sanfte Migration, ist oft die beste Wahl. Gerade bei aktuellen Themen wie der ISDN Abschaltung und der Umstellung auf All IP, finde ich diesen Ansatz sehr sinnvoll. Wir werden in Zukunft alle per IP-Telefonie kommunizieren und ich sehe darin einige Vorteile. Die vor allem im B2B wichtg und entscheidend sein können. In meiner Firma haben wir uns nach langer Recherche und Vergleichen für pascom (https://www.pascom.net) entschieden. Die Hardware unterstützt IPv6. Natürlich muss jeder für sich selbst entscheiden wie er das Thema angeht und letztendlich umsetzt. Es ist in meinen Augen wichtig den Anschluss nicht zu verlieren. Das Protokoll gibt es ja nicht erst seit gestern.

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