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Internet, ich hör Dich singen: Projekt SONYC

Projekt SONYC versucht sich an Datenübertragung nach dem Vorbild von WalgesängenBionik ist ein Wissenschaftszweig, der sich zunehmender Beliebtheit erfreut. Das gilt auch für die IT.

Längst wird an biologischen Datenspeichern geforscht, die auf der Art basieren, wie Zellkerne Erbinformationen in DNS speichern.

Auch das Gehirn ist Gegenstand der bionischen Forschung: Wissenschaftler versuchen, Computer nach dem Vorbild neuronaler Netze zu bauen, die lernfähiger und intelligenter sind als Alles bisher Dagewesene.

In der Kommunikationstechnik schreitet diese Forschung ebenfalls voran. Als Vorreiter finden wir hier – wie kaum anders zu erwarten – Google.

Tiefgründige Kommunikation

Im Zeitalter von mobilem High-Speed-Internet schwer zu glauben, aber Fakt: die Internet und Telefonkommunikation z.B. zwischen Europa und dem amerikanischen Kontinent wird immer noch zum größten Teil über die transatlantischen Tiefseekabel (TAT) abgewickelt. Das gleiche gilt für Asien (SEA-ME-WE).

Doch das soll jetzt anders werden.

Projekt SONYC

Google hat jetzt das Projekt „Sonic Online Network Yelp Connection“ (SONYC) ins Leben gerufen. Dabei findet die Übertragung der Daten durch zielgerichtete, modulierte Schallimpulse statt (Targeted Sonic Pulse, TSP).

Diese Art der Datenübertragung ist dem Kommunikationscode der Buckelwale nachempfunden. Diese können über dutzende Kilometer miteinander kommunizieren, weil Wasser aufgrund der höheren Dichte ein wesentlich besserer Leiter für Schall ist als z.B. Luft.

Extrem hohe Datenrate möglich

Moderne Tiefsee-Glasfaserkabel schaffen einen Datendurchsatz von etwa 50 Tbit/s. Durch Dense Wavelength Division Multiplexing (DWDM) wäre es theoretisch möglich, über SONYC eine Rate von mehr als 1000 Tbit/s zu erreichen. „Uns steht das gesamte Wellenspektrum von Infra- bis Ultraschall zur Verfügung“ so ein Sprecher des Projekts.

Da keine Kabel verlegt werden müssen, wäre das System zudem deutlich billiger als neue Tiefseekabel.

Ein Ohr zur See

Ermöglicht werden soll die neue Internetverbindung durch Küstenstationen (bezeichnet als „Listening Posts“), die als Sende- und Empfangsposten fungieren. Dabei ist die Ausrichtung wichtig, da eine möglichst gerade Verbindung zwischen Sender und Empfänger für die optimale Übertragung notwendig ist.

Geplant sind erste Listening Posts in Portugal, Grönland und Manasquan, New Jersey in den USA. Der Ort ist nicht zufällig gewählt: hier verläuft auch eines der transatlantischen Kabel (TAT-14)

Greenpeace besorgt

Die Ultraschalltechnik ist unter Meeresbiologen und Umweltschützern nicht unumstritten. Während einige Experten davon ausgehen, dass Schall in den von SONYC verwendeten Frequenzen für Meerestiere unschädlich ist, befürchten andere, dass das System besonders Wale verwirren könnte. Die Meeressäuger könnten die Impulse fälschlicherweise für Nachrichten, Liebesbotschaften oder Navigationsangaben von Artgenossen halten.

Auch der umgekehrte Weg wäre denkbar: Walgesänge, besonders zur Paarungszeit, könnten sich als Störsignale in die Übertragung einschleichen.

Lauscher auf dem Ozean

Ein weiterer Aspekt wirft Fragen auf: wie soll eine sichere Verbindung aussehen, wenn auf tausenden von Seemeilen das Tonsignal direkt „abgehört“ werden kann? In Sicherheitskreisen ist bereits die Rede von „sailor in the middle“ Angriffen (SITM).

SONYC will dem mit einer Frequenzcodierung entgegenwirken, um per Tonhöhenmodulation Signale zu verschlüsseln. Ob das System allerdings sicher ist, muss sich erst noch zeigen.

 


Links:

https://de.wikipedia.org/wiki/Bionik

http://www.focus.de/wissenauf-der-suche-nach-der-biologischen-festplatte

https://de.wikipedia.org/wiki/Transatlantisches_Telefonkabel

https://de.wikipedia.org/wiki/Walgesang

http://www.itwissen.info/DWDM-dense-wavelength-division-multiplexing-DWDM-Technik.html

Bild: ©iT-CUBE SYSTEMS AG 2017

 

1 Kommentar

  • von Ferdi am 12.05.2017, 11:14 Uhr

    Das ist jetzt ein Aprilscherz, oder?!

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