zurück zur Übersicht

Das Darknet – Ein Blick auf die dunkle Seite

Das Darknet ist die Schattenseite des Internets und birgt seine eigenen Gefahren.Das sog. Darknet ist auf Grund tragischer Ereignisse in den letzten Wochen und Monaten zu zweifelhafter Berühmtheit gelangt. Kaum eine Medienanstalt hat dieses Thema nicht aufgegriffen.

Doch wie „dunkel“ ist dieses Darknet wirklich? Ist es tatsächlich eine einfache Möglichkeit, um an illegale Waren aller Art zu kommen, oder steht es eigentlich nur Schwerkriminellen und fachkundigen Insidern zur Verfügung? Welche Gefahr geht im täglichen Leben vom Darknet aus?

Was ist das Darknet und wie kommt man hin?

Die Nomenklatur rund um das Darknet ist oft etwas verwirrend. Ursprünglich wurde der Begriff für Overlay-Peer-To-Peer-Netze verwendet, von deren Existenz nur deren Teilnehmer Kenntnis haben. Heute werden „Darknet“ und „Deep Web“ oft synonym verwendet und meinen beide meist den etwas zwielichtigen Teil des Internets abseits des komfortabel durchsuchbaren World Wide Web. Aus technischer Sicht handelt es sich meist um Webseiten welche nur über das sog. TOR-Netzwerk (The Onion Router) erreichbar sind. Da es eine Vielzahl an legitimen Nutzungsmöglichkeiten für das TOR-Netzwerk gibt, ist der Zugriff darauf denkbar einfach und auch ausgezeichnet dokumentiert. Der Weg ins Darknet ist damit also frei für jeden, der einen alternativen Browser installieren und benutzen kann.

(Kein) Google fürs Darknet?

Die größte Hürde um im Darknet auf Shoppingtour zu gehen ist also nicht der eigentliche Zugriff darauf. Weit schwieriger zu finden ist das Wissen um jene Webseiten, welche die gewünschten Waren und Dienstleistungen anbieten. URLs im TOR-Netzwerk sind deutlich kryptischer aufgebaut als im bekannten Internet. Eine zentrale Anlaufstelle um nach Waffen, Drogen oder anderen illegalen Waren zu suchen – also ein Google für das Darknet – gibt es praktisch nicht. Was sich teilweise etabliert hat, sind manuell gewartete Listen der bekanntesten Darknet-Plattformen. Solche Listen sind teilweise nur über das Darknet selbst, manchmal aber auch über das normale Internet erreichbar. Es ist also durchaus möglich, mittels Google die Adressen solcher Darknet-Plattformen zu finden. Der Zugriff darauf muss dann zwar über das TOR-Netzwerk erfolgen, Anleitungen zur Handhabung dessen können aber auch mittels Google gefunden werden.

Derartige “Darknet-Verzeichnisse“ sind natürlich in keiner Weise vollständig, bieten aber dennoch mehr als genug Verweise auf Webseiten, um unterschiedlichste Waren zu kaufen.

darknet_01 darknet_02

Nach etwas Einarbeitungszeit hätte ich im Rahmen der Recherche für diesen Artikel die Möglichkeit gehabt, Waffen unterschiedlichster Art, Drogen aber auch vermeintliches Diebesgut und gestohlene Digitale-Güter (Kreditkarten, Datensätze, …) zu kaufen oder besser gesagt zu bestellen. Ob diese tatsächlich auch geliefert werden würden erscheint allerdings mehr als fraglich. Denn die dunkle Seite des Internets ist natürlich auch bei Betrügern sehr beliebt. Sie haben hier kaum eine Verfolgung zu befürchten. Genau wie in der Welt abseits des Cyberspace werden nämlich auch hier gehörnte Käufer illegaler Waren wohl keine rechtlichen Schritte einleiten. Deshalb sind Treuhandservices auch im Darknet weit verbreitet. Sie sollen sicherstellen, dass Zahlungen erst nach Lieferung freigegeben werden. Funktioniert das nicht, haben Käufer oder Händler Pech gehabt.

Mythos und Realität

Dieses Wissen über das Darknet und die Möglichkeiten, die es bietet, haben natürlich auch unterschiedlichste Polizeibehören weltweit. Viele dieser Plattformen stehen unter dauerhafter Beobachtung. Die erfolgreichen Einsätze gegen ehemals bekannte Seiten wie „Silk Road“ zeigen dies sehr deutlich.

Das Darknet ist also weit davon entfernt ein völlig rechtsfreier Raum zu sein, in dem jeder spielend einfach illegale Güter aller Couleur bestellen kann. Es bietet eine Infrastruktur die Anonymität ermöglicht und die damit zugegebenermaßen gerne für illegale Aktivitäten verwendet wird. Dennoch ist es auch nur ein Abbild der Welt abseits des Cyberspace. Auch dort gibt es in jeder größeren Stadt Waffen- und Drogenhandel. Jeder der an einschlägigen Orten sucht, wird auch dort fündig werden. Und das bisweilen einfacher als auf der vermeintlich dunklen Seite des Internets.

Schreibe einen Kommentar