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Crypto Currencies – digitales Shopping für Alice

Sind Crypto Currencies das neue Gold?In einem unbekannten Land… vor gar nicht allzu langer Zeit, war eine Dame sehr bekannt… von der Sprach jede Netzwerktechnologievorlesung weit und breit. Und diese Dame die ich meine nennt sich Alice…

Alice verschickte wahnsinnig gerne E-Mails an ihren Buddy namens Bob (geneigte Cubespotter-Leser erinnern sich vielleicht an die Robotische Dreiecksbeziehung der Google-KIs gleichen Namens). Doch die Zeit schreitet unaufhaltsam voran.

Menschen ändern sich. Das Internet ändert sich. Das Versenden von E-Mails an Bob ist nicht mehr Alice‘s liebstes Hobby (E-Mails sind irgendwie 90er, oder?). Die Verlockungen der Informationstechnologie sind vielfältig. So befasst sich auch Alice nun außerhalb der Fachbücher und Vorlesungsskripte mit einem neuen Lieblingsthema.

Nein, nicht mit analogem Honig oder dem Wechsel von E-Mails auf die zahlreichen Messenger-Dienste des Smartphones wie der aufmerksame Leser vielleicht denken mag. Es geht vielmehr um die Beschäftigung, der wir doch alle gerne leidenschaftlich frönen, um uns selbst nach einem viel zu harten und viel zu langem Arbeitsalltag zu belohnen. Wie könnte es anders sein – es geht um Online Shopping. Alice taucht nun in diese völlig neue Welt der ungeahnten Shoppingmöglichkeiten ein, bedient begeistert die Suchleisten mehr oder weniger großer Online Shops und gibt sich ganz ihrer neuen Leidenschaft hin.

Nach erfolgreicher Tat nun ab zur Kasse. Wie bezahle ich denn heute? EC-Karte? Kreditkarte? Nein lieber doch nicht, die glühen schon tiefrot. Mit PayPal? Irgendwie auch schon Retro. Und da Alice im Fluss der digitalen Evolution seit Beginn der E-Mail mitgeschwommen ist und sich glücklicherweise als Digital Native bezeichnen darf, verspürt sie, wie schon so oft, Lust auf eine Erweiterung ihres digitalen Kosmos.

Daher wird das Häkchen auf eine Kryptowährung gesetzt, der Betrag bezahlt und Alice freut sich auf ihre Express Lieferung mit Wunschtermin morgen Abend um 18:00. Nun noch schnell ihren Fang auf Instagram und Facebook posten und ihren Freunden zeigen, was sie alles Schönes im natürlich limitierten und persönlich auf sie zugeschnittenen Online-Super-Sonder-Sparangebot ergattert hat.

Doch was steckt eigentlich hinter dieser kryptischen Bedeutung Kryptowährung, oder auch Cryptocurrency, mit der man, vergleichbar mit offiziellen Landeswährungen, in manchen Bereichen digital bezahlen kann?

Funktionsweise

Unter Crypto Currencies/Kryptowährungen versteht man ein digitales Zahlungsmittel. Crypto Currencies entsprechen digitalen Münzen, welche ebenfalls wie offizielle Landeswährungen Währungsschwankungen unterliegen. Die digitalen Münzen können  in physische Zahlungsmittel über einen Wechselkurs umgewandelt werden, ebenso können über physische Zahlungsmittel Crypto Currencies erworben werden. Die Verteilung erfolgt dezentralisiert und wird nicht von z.B. einer Bank festgelegt.

Einheiten der Crypto Currencies werden über kryptographische Verfahren erstellt (Mining). Jeder Benutzer besitzt eine digitale Brieftasche (Wallet), in der die erworbenen Einheiten abgelegt werden. Die Block Chain ist das „Master-Konto“ (Ledger), welches alle vorherigen Transaktionen und Aktivitäten aufnimmt und speichert, um das Eigentum aller Einheiten der Währung jederzeit überprüfen und bestätigen zu können. Kryptographie (Verschlüsselung) ist auch deshalb ein essentieller Bestandteil dieses Systems, weil sich die Währungseinheiten nicht einfach kopieren und vervielfältigen lassen dürfen.

Für eine Transaktion der digitalen Währung werden drei Elemente benötigt. Im Fall von Alice ihre öffentliche Adresse, die Anzahl der Einheiten welche übertragen werden sollen und die öffentliche Adresse des Empfängers. Alice signiert die Transaktion mit ihrem privaten Schlüssel.  Die Übertragung erfolgt über ein Peer-To-Peer Netzwerk, die Netzwerk-Nodes reichen die Nachricht an den Empfänger weiter. Das folgende Abbild stellt die Funktionsweise einer Transaktion detailliert dar:

So funktioniert eine Kryptowährungs-Transaktion (Quelle: https://blockgeeks.com/guides/what-is-cryptocurrency/ )

Aller Anfang ist Bitcoin

Bitcoin, die „erste dezentralisierte digitale Währung“, ist 2009 von einem unbekannten Individuum unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto veröffentlich worden und hat sich als Marktführer durchgesetzt.

Mittlerweile haben sich Anbieter wie Ethereum, Ripple oder Litecoin auf dem Markt etabliert, ein regelrechter Boom mit weiteren unzähligen Anbietern (eine Aufzählung von „CryptoCurrency Market Capitalizations“ listet über 1000 aktuelle Anbieter auf) erfolgte.

Neben den Transaktionsmöglichkeiten werden Crypto Currencies durch die starken Wertsteigerungen der letzten Jahre inzwischen auch als Investment gehandelt. Der Wert von z.B. Bitcoin ist seit der Einführung stetig gestiegen. Die folgende Abbildung zeigt die Preisentwicklung von Gold und Bitcoin in USD seit 2013:

Hoch im Kurs, aber mit Schwankungen: Bitcoins (Quelle: http://www.businessinsider.de/manfred-huebner-bitcoins-sind-wertlos-2017-5 )

 

Jedoch sind diese Investments mit Vorsicht zu genießen, da die Kurse hohen Schwankungen unterliegen und Risiken bergen. Die Ankündigung der chinesischen Zentralbank, Initial Coin Offerings (ICOs) zu verbieten, ließ die Kurse beispielsweise sofort einbrechen. Die folgende Abbildung stellt die Kursverluste am 4. September 2017, 11:31 dar:

 

Die dunkle Seite der Crypto Currencies

Die Sache hat noch einen Haken: Die Chance ist hoch, dass Sie zum ersten Mal im Zusammenhang mit digitaler Erpressung von Bitcoins gehört haben. Da eine Rückbuchung nach einer erfolgreichen Transaktion technisch nicht möglich ist, verwenden eben auch Ransomware-Entwickler gern diese Währungen, um das erpresste Lösegeld zu kassieren.

Tatsächlich läuft auch die Wertentwicklung der Crypto Currencies, speziell die von Bitcoin, erstaunlich parallel zu der Anzahl beobachteter Ransomware-Attacken. Beides erfuhr seit 2016 eine vergleichbar deutliche Steigerung. Das ist sicherlich kein reiner Zufall.

Das ist nicht alles: Da die digitalen Währungen eine sehr gute Möglichkeit bieten, anonym zu bleiben, werden sie inzwischen gern auch für andere kriminelle Zwecke verwendet. Dabei geht es längst nicht nur um Naheliegendes wie versteckte Schmiergeldzahlungen oder Geldwäsche. Es können z.B. auch illegale Güter wie Drogen und Waffen im Darknet mit geringer Chance auf Nachverfolgung durch Ermittlungsbehörden erworben werden. Silvio Riener hat darüber bereits in seinem Artikel über die Darknet Safari berichtet.

Auch die Anbieter selbst stellen durch die sprunghaften Währungssteigerungen ein attraktives und lohnendes Ziel dar, zumal sie prinzipiell nicht an die strengen Auflagen gebunden sind, die beispielsweise Banken zu umfangreichen Sicherungsmaßnahmen zwingen (z.B. die PCI-DSS-Zertifizierung). Die Plattform Ethereum wurde dieses Jahr bereits mehrfach durch Schwachstellen kompromittiert. Dabei wurden bei jedem Einbruch Einheiten im Wert von insgesamt mehreren Millionen USD abgezogen.

Durch die dezentralisierte Lösung steht keine Institution hinter den Anbietern von Crypto Currencies, die sich mit entsprechenden Security-Maßnahmen gegen mögliche Angriffe absichern kann oder Incident Detection- und Response-Fähigkeiten besitzt, um zielgerichtet reagieren zu können. Es schwebt also immer ein Damoklesschwert über den Kryptowährungen. Sie werden weiterhin unter Beschuss bleiben.

Insofern haben wir am 13.08. einen Interessanten Schachzug der chinesischen Zentralbank gesehen. Eine koordinierte Maßnahme der Zentralbanken könnte Krypowährungen ernsthaft zusetzen. Ob es zu diesem Zeitpunkt noch möglich wäre, sie komplett auszuschalten, sollte der Missbrauch überhand nehmen, ist nicht klar. Letztlich ist der Wert jeglicher Währung in gewisser Weise fiktiv, und solange es noch irgendeine Möglichkeit gibt, das digitale in reales Geld (oder zumindest irgendeinen Gegenwert, man denke nur an den Boom digitalen Warenhandels in Second Life) umzuwandeln, werden die Digitalmünzen einen gewissen Wert behalten.

Kopf oder Zahl?

Alles in allem stellen Crypto Currencies derzeit eine funktionierende Alternative im digitalen Zahlungsverkehr dar, welche jedoch noch nicht in der breiten Masse unterstützt wird. Gerade in Zeiten von Big Data mit User Profiling im E-Commerce kann es vorteilhaft sein, im Internet anonym zu bleiben.

Durch die starken Wechselkursschwankungen birgt der Besitz jedoch immer ein gewisses Risiko in sich. Ob sich Crypto Currencies in der Allgemeinheit durchsetzen werden, oder weiterhin eine Nischentechnologie bleiben, ist noch nicht sicher. Sicher ist überhaupt ein gutes Stichwort: denn die Sicherheit wird ebenfalls – systembedingt – ein Problem bleiben. Und früher oder später wird sich auch jemand mit dem allzu einfachen Missbrauch für illegale Transaktionen beschäftigen müssen.

Im großen Maß in Krypowährungen zu investieren bleibt also wie das Werfen einer virtuellen Münze – ein Glücksspiel.

 


Links:

http://www.moneycrashers.com/cryptocurrency-history-bitcoin-alternatives/

http://www.telegraph.co.uk/technology/0/what-is-bitcoin-everything-need-know-about-the-cryptocurrency/

Bild: iStock/wundervisuals

 

 

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